Der Hildener Bauverein damals

Im Jahr 1918 hat der Hildener Naturheilverein (Verein zur Pflege volksgesundheitlicher Belange) - dem heutigen Priessnitz-Kneipp-Verein Hilden
eV - eine „Abteilung für Siedlung“ gebildet. Diese hatte das Ziel, ihren Mitgliedern Kleingärten zu beschaffen und später eine Rentengutsiedlung
(einer Art Bezugs- und Absatzgenossenschaft) zu betreiben.
Im Jahr 1919 hat sich diese Abteilung vom Naturheilverein abgespalten mit dem Ergebnis, dass unsere Genossenschaft, die (heutige)
Gemeinnütziger Bauverein Hilden eG, gegründet wurde.
An einem öffentlichen Werbeabend im Juni 1919 nahmen insgesamt 300 Personen teil.
An der Gründungsveranstaltung am 16.09.1919 nahmen insgesamt 117 Gründungsmitglieder teil.
Der obligatorische Pflichtanteil an unserer Genossenschaft betrug 400 Mark; unser Geschäftsguthaben betrug insgesamt 58.400,00 Mark (hierin
waren 30 Anteile mit insgesamt 12.000,00 Mark, die die Stadt Hilden übernommen hatte, enthalten).

Noch im Jahr der Gründung hat unsere Genossenschaft von der Gemeinnützige Siedlungsgesellschaft „Rheinisches Heim“ Bonn (gegründet im
Jahr 1916) das 26 Morgen (rd. 104.000 m²) große Grundstück in der Ortslage Am Strauch erworben.

Ein Morgen entspricht 2.500 Quadratmeter.1920 erfolgte die Vermessung des gekauften Geländes „Am Strauch“. Bedingung durch das
Kulturbauamt Köln war, keine Brachflächen bis zum Ende 1920. Das Gelände wurde aufgeteilt in Parzellen von ½ Morgen aufgeteilt und
vermessen  Der Kaufpreis betrug 46.000 Mark (1.770 Mark je Morgen).

Im Jahr 1921 hat die Stadt Hilden unserer Genossenschaft für den Bau von 8 Doppelwohnhäusern ein Darlehen in Höhe von 500.000 Mark
gewährt.
Im gleichem Jahr  begann man mit dem Erwerb von Baumaterialien.
Im Frühjahr 1922 begann die Bautätigkeit und das Darlehen für den Bau von weiteren 14 Doppelwohnhäusern um wurde 2.000.000 Mark erhöht.

Die ersten Doppelhäuser waren:
2 Doppelhäuser Kölnerstraße, rechts
2 Doppelhäuser An den Linden
2 Doppelhäuser Forstbach/Kölnerstraße, links
Der Bezug der Häuser erfolgte 1923.

Ebenfalls 1923 wurden 8 Doppelhäuser " An den Linden"  Vor- und Rückseite gebaut. Dabei wurden 33.000 Stunden freiwillige Arbeitsstunden
durch die Mitglieder der Genossenschaft - ohne Vergütung durch die Genossenschaft - geleistet.
Zitat: „Die persönliche Mitschaffung von Genossenschaftswerten wuchs sich also doch zum Segen für jeden und die Genossenschaft aus.“
(Anmerkung des Bauvereins)
Entsprechend der heute noch gültigen Grundprinzipen der Selbsthilfe, Selbstverwaltung und Selbstverantwortung wurden diese Objekte durch
die damaligen Mitglieder überwiegend in Eigenleistung erstellt. Honoriert wurden diese besonderen Leistungen durch gute, sichere und sozial
verantwortbare Wohnungen. Die an der Erstellung unserer Objekte beteiligten Mitglieder erhielten für Ihre insgesamt 33.000 Arbeitsstunden - im
Vergleich zu den nachfolgenden Mitgliedern - besonders günstige Nutzungsgebühren. Die rege Bautätigkeit unserer Genossenschaft hatte eine
extreme Wertsteigerung zur Folge. Diese bekamen wir am eigenen Leib zu spüren. Hätte jedes Mitglied unserer Genossenschaft, wie
ursprünglich geplant, einen halben Morgen Land zu seinem Hause erhalten, wären wir (historisches Zitat) „schon am Ende mit dem Gelände“
gewesen. „Teueres, künstlich in die Höhe getriebenes Gelände müsste gekauft werden, was jedoch keine Rückwirkung auf die Mietsätze hätte
“. Am 17.02.1929 fand daher eine außerordentliche Hauptversammlung statt. Im Interesse der unversorgten Mitglieder wurde beschlossen, dass
weitere 8 Doppelwohnhäuser „zwischengebaut“ werden. Man wollte nun allgemein das kleine Opfer auf sich nehmen, um weiteren Mitgliedern ein
wirklich glückliches Heim zu verschaffen. Eine Anzahl an Mitgliedern hatte sich schon freiwillig mit der Geländeabgabe hierfür einverstanden
erklärt.

1924 ruhte die Bautätigkeit, aber 1925 wurden schon wieder vier Doppelhäuser errichtet. Und 1926 ging es weiter mit  zwei
Doppelhäusern und einem Mehrfamilienhaus, das waren zwei Häuser mit je 2 Zweizimmerwohnungen. Zusätzlich konnten
4 ¼ Morgen Land im Gelände „Strauch“ gekauft werden.
1927 folgten zwei Doppelhäuser und zwei Mehrfamilienhäuser , also  vier Häuser mit je zwei Dreizimmerwohnungen. Auch der Kauf
von 5 ¼ Morgen Land im Gelände „Strauch“ konnte erreicht werden.
1928 kamen zwei weitere Doppelhäuser, vier Zweifamilienhäuser mit drei und Vierzimmerwohnungen und ein Doppelhaus mit
Zweizimmerwohnungen dazu. Alle Wohnungen waren mit Badezimmer ausgestattet. Weitere  1 ¼ Morgen Land im Gelände „Strauch“
wurden erworben und es folgte die Streichung der Bewertung der „freiwillig geleisteten Arbeitsstunden“.
1939 wurde die Strassenrückseite „An den Linden“ in „Kirschenweg“ umbenannt.

GBH
andenlinden
 
Quellen: Dieter Donner, Lars Dedert, Maximilian Rech
Bürgerverein Hilden Süd e.V.